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Daggi´s Blog Depression The Brain

Gastautor: Wahnsinn, dein Name ist Bettenroulette

Nachdem ich in der onkologischen Tagesklinik irgendwann meine Maske, dass alles gut sei, nicht mehr erhalten konnte und einen totalen Nervenzusammenbruch hingelegt habe, hielt man es dort für besser, mich in die Psychiatrie einzuweisen.

Es war ein Kulturschock!

Geschlossene Abteilung. Das bedeutet jedes Fenster ist gesichert, gefährliche Gegenstände werden dir abgenommen und von der Station kommst du nur, wenn dir das Personal die Tür öffnet.

Anfangs darfst du ohne Begleitung nicht mal ins Treppenhaus!

Mit der Zeit gewöhnt man sich dran.

Dann ist da aber noch ein Faktor, der zu berücksichtigen ist: Zimmernachbarinnen

In 2 oder 3 Wochen hatte ich es auf 5 verschiedene Zimmernachbarinnen gebracht.

Natürlich hab ich mir die Schuld gegeben und es als „Ich bin eben so unerträglich, dass es keiner mit mir aushält“ abgehakt.

Dann war da plötzlich Frischfleisch.

Grimassen schneiden kann ich prima

Mein erster Gedankengang: „Die zieht ne Fresse, da wird ja die Milch sauer. Na Mahlzeit.“

Ich beschloss, erst mal schweigend zu beobachten, bis ich sie „einnorden“ konnte.

Es war schwierig für mich zu erkennen, ob sie Komplimente ernst meint, oder mich nur verarschen will.

Das ist eines meiner größten Probleme.

Die anderen wären: auf Andere zugehen, um Hilfe zu bitten, mich nicht immer als lästigen Störfaktor zu sehen, Gespräche beginnen, etwas für mich zu fordern, Aufmerksamkeit zu bekommen.

Liebe und Aufmerksamkeit anzunehmen ist schwer, wenn man das nicht gewöhnt ist.

Ich möchte ungern jemandem unnötige Arbeit zu machen.

Also wurde erst mal still beobachtet.

Wie sehr ich mich mit meiner Einschätzung von Dagmar getäuscht hatte, sollte ich noch früh genug merken.

Claudia

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Überraschung

Erstens kommt es anders und zweites als man denkt

Es ist gerade Freitag, der 02.07.2021. Ein ganz besonderer Mensch hat heute Geburtstag. Und ich denke zurück, wie dieser kleine besondere Mensch zernknautscht und mit blonden Haaren, so lang wie mein Unterarm vor 17 Jahren in meinen Armen lag. *Seufz*

Ich werde alt. Hätte mir damals jemals gesagt, was sich in diesen 17 Jahren alles ereignet. Dann hätte ich in für komplett bekloppt erklärt.

Doch mit diesem Tag ändert sich mein Leben komplett. Plötzlich trug ich Verantwortung für ein kleines Wesen. Noch immer denke ich an diesen Tag in Liebe zurück, an meine Unsicherheit – an meine Verletzlichkeit.

Heute ist darauf ein wunderbarer Mensch mit Macken, Ecken und Kanten und einem großen Herz geworden. Ich liebe dich – du wunderbares Wesen. Happy Birthday. Auch wenn ich dich oft angemault habe, wir uns gezankt und gestritten haben. Ich dich unwissentlich verletzt habe. Es geschah nie aus böser Absicht, sondern vielleicht weil auch ich müde, genervt und gestresst war. Für Mama-Werden gibt es in der Schule leider kein Lehrfach weisst du. Und nichts verändert einen mehr als diese Berufung – meine Sonne. Hoffe und wünsche dir aber, dass du deinen Weg gehen wirst – und das wir beide trotz meiner Erkrankungen wieder eine gute Beziehung aufbauen können.

Bei allem was war oder sein wird – ich liebe dich. Das sollst du wissen.

Deine Mama Daggi