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Suizidversuch – 3. Teil

Jetzt hast du erfahren, wie so ein Suizidversuch im Aussen aussehen kann. Doch damit habe ich mich nicht zufrieden gegeben. Ich wollte dir auch meine Gedanken und Gefühle in Bildern einfangen.

Das war glaube ich die schwierigste Aufgabe.

Wie bekomme ich diese Gedanken, Gefühle und Bilder während der Depression vom Inneren ins Aussen.Um dir zu zeigen, wie eine Depression sich anfühlt. Dieses Sterben, diese Todesgedanken, diese Sehnsucht nach Ruhe und diese inneren Qualen.

Dabei haben mir veschiedene Menschen geholfen. Dieses Mal geht mein Dank an Daniel Hertrich von https://www.hertrich.photo und meinen Freund Bernad´ Marth, der sich die Zeit genommen hat, mit mir auf dem Dachboden zu shooten. Ohne diese Freundschaft hätte ich mich nicht soweit öffnen können, dass diese Bilder entstehen. Einige Bilder sind durch mich entstanden.

Jemand, der nicht davon betroffen ist, kann sich eine Depression nicht vorstellen. Maler versuchen so etwas in Bildern festzuhalten oder Schriftsteller in Büchern zu verarbeiten. Hier einam zwei sehr bekannte Beispiele: Schau dir mal das Bild: „Der Schrei“ von Edward Munch an. Das Bild drückt für mich die Qual einer Depression aus. Der Maler versuchte in dem Bild eine Angstattacke zu verarbeiten, die er während eines Abendspaziergangs erlitt.

Oder denk mal an die Dementoren bei Harry-Potter Büchern von J.K. Rowling. Mit diesen Wesen hat die Schriftstellerin wohl ihre eigenen Depressionen dargestellt. Wesen die einem die Seele aussaugen. Durchaus sehr passend beschrieben. Ich wünschte mir auch einen Patronuszauber, der die Depression vertreibt und mich davor beschützt.

Doch ich schweife ab. Zurück zu meinen inneren Gefühlen. Wenn ich mich damit auseinander setze, kann ich akzeptieren – dass diese Gefühle vorhanden sind. Magst du die Bilder sehen, in den Kopf eines Depressiven sehen? Dann wünsche ich dir viel Entdeckungslust und Neugier, trotz des schwierigen Themas.

Nacht für Nacht spüre ich die Qual. Aufgeschreckt.
Ich versuche dem inneren Gefängnis zu entkommen.
Strecke die Hand aus, doch hab das Gefühl –
dass keiner da der ist und mich erreicht.
Ich fühle mich gefesselt, sprachlos und niemand hört meinen stummen Schrei.
Ich lasse niemand mehr an mich heran.
Und Stück für Stück ziehe ich mich ins Innere zurück.
Nach Aussen spiele ich die Starke, doch langsam ist der Entschluss gefasst.
Ich will für immer gehen.
Suche nach Plätzen zum Sterben.
Will keinen mehr sehen.
Den Frieden denke ich werde ich mit dieser Entscheidung finden.
Bin nicht mehr in der Lage an den Schmerz meiner Kinder
und meiner Familie zu denken.
Der Tod so meine Meinung beendet das Problem
und die schwarzen Foltereien.
Ich scheibe den Abschiedsbrief an meine Lieben.
Erleichterung durchflutet mich.
Ich nehme die Tabletten in die Hand.
Und schlucke sie hinab. Ekel schüttelt mich.
Weil ich diesen Geschmack nicht mehr mag.
Der Frieden und die Ruhe sind innerlich da.
Ich denke es ist vorbei.
Und wenn es nicht klappt, dann land ich wieder in der Psychatrie.
Doch dann ist da dieses widerwertige ekelhafte Gefühl. Bedrohlich wie eine Wand. Kotzerbsengrün so fühlt sich dieses Sterben an.
Und dann ist da dieses Gefühl von pinkem Licht von hinten rechts.
Das schiebt diese Wand zurück. Und ich erwache nach 10 Stunden Schlaf.

Soweit einen kleinen Ausflug in meine innere Gefühlswelt.

Und zum Schluss eine Warnung:

Bitte wenn jemand sich durch diese Bilder getriggert fühlt.

Suizid ist keine Lösung. Hole dir Hilfe -Bitte!!

TelefonSeelsorge (alle Zielgruppen)

Telefonnummer: 0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222
Erreichbar rund um die Uhr und Anrufe auch an Wochenenden und Feiertagen möglich
.

Danke für deine heutige Aufmerksamkeit.

Dagmar

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Suizidversuch – 2. Teil

Heute morgen bin ich emotional in der Lage über meinen letzten Suizidversuch zu schreiben. Das ist, wie du weisst, kein leichtes Thema für mich. Trotzdem will ich dich hinter die Fassade schauen lassen. Damit du weisst, wie es sich anfühlt, wie so etwas aussieht.

In der Hoffnung, dass falls du von Depressionen betroffen bist, es nicht tust. Das du dir Hilfe suchst oder die Kraft findest, wieder aufzustehen. Für alle Neugierigen oder betroffenen Angehörigen – dass ihr vielleicht Anzeichen erkennen könnt und falls es der Fall ist, jemand Betroffenen helfen könnt.

Wie ich bereits gestern im 1. Teil schrieb, fiel mir die Auseinandersetzung mit meinem eigenen Verhalten sehr schwer. Es kostet mich enorme Kraft, mich nochmals in einem Fotoshooting dahinein zu begeben und mich damit bewusst auseinander zu setzen.

Ich danke auf diesem Wege Daniel Hertrich von https://www.hertrich.photo ganz herzlich für seinen Mut und seine Ruhe, mich durch dieses besondere Fotoshooting zu begleiten.

Doch habe ich die Hoffnung, dass mich diese Konfrontation – falls ich wieder eine Depression bekomme, von einem Suzidversuch abhält. Ebenso habe ich meine Checkliste Rot entwickelt, die mir in diesem Fall einen einfachen Ausweg bieten soll. Gern kannst du diese Checkliste Rot (als PDF) oder Checkliste Rot als (Worddatei) auch für deine Zwecke nutzen.

Falls jemand glaubt Suizid sei eine Lösung, dem sage ich heute: „Suizid ist immer ein sehr mächtiger und schmerzhafter Prozess. Die Gewalt des Sterbens ist eine sehr brachiale und wegweisende Erfahrung. Ähnlich wie die Geburt mit wahnsinnigen Schmerzen und einem sehr kraftvollen Übergang für Mutter und Kind verbunden ist, so ist es auch der Tod. Wenn du glaubst, es gibt einen friedlichen und schmerzfreien Suizid – vergiss es.“

Doch genug der Worte, jetzt will ich euch einfach die Bilder im Aussen zeigen.

Lasst Sie auf dich wirken.

Verzweifelt sitz ich Nacht für Nacht und kann nicht schlafen.
Gedanken kreisen dunkel wie Raben, die mich foltern.
Seh keine Lösung, kein Ausweg. Spüre nur den Schmerz.
Will das es aufhört, vorbei ist dieses Gefängnis, dieses Leben.
Der Entschluss ist gefallen, wieder Mal. Will gehen – weiss es geht nicht ohne Qual.
Schreibe ein paar Zeilen nieder – zum Abschied – mal wieder.
Die Zeilen fallen mir so schwer. Ich bin so müde. Meine Seele weint.
Lege den Brief ab. Es ist vollbracht.
Letzte Zweifel in der Küche.
Es ist Zeit zu gehen.
Ich tue den letzten Schritt und hoffe, es gibt kein Wiedersehen.
Das zu tun ist nicht leicht. Es fällt mir schwer. Hektisch schluck ich die Pillen. Ich will nicht mehr.
Ob das reicht ich weiss es nicht. Nehme alles was ich hab.
Mich würgt es, fast bekomme ich sie nicht herunter. Es ekelt mich dieser Geschmack.
Noch ein Glas und es ist geschafft.
Decke mich zu. Es ist vollbracht.
Hoffe auf den Frieden und die Ruhe.
Doch was mich dann erwartet, habe ich nicht gedacht.
Die Wand des Lähmung und des Todes rückt näher wie eine grüne verschliegende Wand . Doch ein Blitz aus dem Hirn schiebt die Bedrohung mit voller Macht zurück. Und wenn ich auch schlafe, so schiebt mich etwas voller Wucht ins Leben. Es scheint wohl für mich noch eine Aufgabe zu geben. Nach 10 Stunden erwache ich und stehe auf, breche vor den Augen meines Mitbewohners zusammen. Der leistet erste Hilfe und fordert dann den Krankenwagen an. Ich spüre nur noch den Luftzug und die Bewegungen der Trage, höre Stimmen mehr nicht. Filmriss…Und komme wirklich erst 4 Tage später zu mir in der geschlossenen Abteilung der Psychatrie.

Und so startet mein Rückkehr ins Leben….

Eine Warnung an jeden der sich angefixt fühlt, das nachzumachen. Glaube mir es geht schief. Hinterher sind deine Probleme oft größer als vorher. Körperliche oder noch mehr seelische Probleme aus deinem Suizidversuch begleiten dich. Schmerz kann vergehen und wenn man wirklich um Hilfe bittet, findet sich jemand – der für dich da ist. Sollte es dir wirklich einmal so schlecht gehen, dass du keinen Ausweg weisst, dann nutze diesen Link: https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/wo-finde-ich-hilfe .

Schau dir gern wie oben genannt den Blog zur Checkliste Rot (meine persönliche Notfallliste: Checkliste Rot (als PDF) oder Checkliste Rot als (Worddatei) an. Oder wenn du niemanden vertraust, nimm Kontakt mit mir auf.

Alles Liebe bis zum nächsten Blog.

Dagmar

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Der Abschiedsbrief

Wirkliches Begreifen ist erst durch Konfrontation möglich.

Ich sitze hier an meinem Computer und hadere mit mir. Soll ich mich so sehr outen? Doch ich habe ein Versprechen in der Psychatrie abgegeben und dass muss ich halten. Ein Versprechen mir selbst gegenüber – Menschen über Depression aufzuklären.

Gefühlsmäßig ist das gerade als würde ich nackt über den Marienplatz laufen und alle Menschen dort schauen mir zu. Arggg* – Ich hasse es.

Doch nur so kann ich wirklich begreifen, was ich getan habe. Selbstkonfrontation. Mir schiessen die Gedanken durch den Kopf: „Ich bin keine Heldin – sondern ein verzweifeltes menschliches Wesen, das will das der Zustand aufhört. Der dass nicht mehr fühlen will. “ Gerade lese ich noch einmal die folgenden Zeilen meines Abschiedsbriefes, die ich damals verfasst habe:

Hallo ihr Lieben! Es ist Zeit Abschied zu nehmen. Ich empfinde diese Welt als nicht mehr lebenswert. Das Leben, das ich führe, ist nicht mehr das meine. Ich komme mir vor wie eine ausgehöhlte Marionette, die nur noch an den Fäden tanzt. Alles was mir bisher Spaß gemacht hat, erscheint mir sinnlos. Egal ob es die Fotografie, lesen , spazieren gehen oder wandern ist. Es ist als sei ich eine Hülle, die lebt.

Ich bin erstarrt, wie ein Tier auf der Flucht. Gedanken, die mich quälen Nacht für Nacht. Ich mag nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Verzeiht mir diesen Schritt. Ich empfinde nichts mehr lebenswertes in diesem Leben – keine wirkliche Freude. Vor lauter Funktionieren, ist mir diese in den Jahren abhanden gekommen. Nur ganz selten zeigen sich Gefühle, wenn ich weine. Und dann sind es Tränen der Verzweiflung, der Trauer und der Wut.

Ich bin leer und traurig – nicht mehr. Bitte versteht, wenn ich so nicht bis ins Rentenalter weitermachen kann. Ich habe alles was ich tat, immer versucht auch für andere da zu sein. Ausser in der Fotografie. Das war wirklich etwas, dass ich liebte. Doch selbst dies war nur ein Traum. Denn in Wirklichkeit bedarf es hier viel mehr des Talentes und des Verkaufens.

Neulich saß ich am Marienplatz und empfand nur Trauer und Leere. So starb dieser Traum.

Wenn ich an meine Jobs denke, reizt mich nichts mehr. Im empfinde es als sinnlos mir Steuererklärungen und Zahlungen anzusehen. Ebenso mag ich keine psychatrischen Kliniken mit so vielen Menschen. Kein wirkliches Lösen von Problemen. Die muss man doch alleine lösen. Ich bin müde.

Bitte verlängert nicht mein Leben, quält mich nicht und lasst mich gehen. Denkt an mich in Liebe und nicht in Haß. Verzeiht mir, was ich euch antat – ich kann nicht mehr. Ich denke an euch in tiefster Liebe. Daggi

Wenn ich das so lese, schwingt gerade viel Traurigkeit und auch Müdigkeit in meiner Seele mit. Wie oft sagte meine Seele in letzter Zeit zu mir, „Ich bin so müde.“ Es ist als wenn dies nicht mehr mein Leben ist, sondern als wenn ich nicht hierher gehöre. Als wenn mich etwas anderes ruft. Und dieser Ruf ist sehr stark. Doch darüber werde ich einmal in einem anderen Blog schreiben. Für heute wünsche ich euch einen guten Abend. Dagmar