Stadtführung durch den Hamburger Hafen

Heute will ich den Hamburger Hafen erkunden. Nach einen weiteren Schulungstag in der City Nord

starte ich zusammen mit zwei netten Kollegen aus Offenburg und Köln in Richtung Hafen. Prompt fahren wir mit dem Bus in die falsche Richtung. Ich bin brummlig, Schließlich will ich doch die Hafenanlagen und die Werften sehen. An den Landungsbrücken angekommen, treffen wir unseren Stadtführer für unsere Führung durch den Hamburger Hafen. 

Zunächst wandern wir zu Fuß zum alten Elbtunnel und stehen hinter einer langen Schlange von Radfahrern. Unser Stadtführer erzählt uns, das der Elbtunnel 1911 erbaut wurde, damit die Hafenarbeiter schneller von einem Ufer der Elbe zum anderen übersetzen konnten. Es kam zu ewigen Wartezeiten an den Ufern, da die Fähren und Barkassen so viele Leute gar nicht übersetzen konnten. Überall in diesem Bauwerk spürt man die Geschichte. Lustig sind die alten Überwachungshäuschen der Liftwärter. Der Tunnel wird gerade renoviert. Unser Gyde erzählt das die Spundwände verstärkt wurden, um ein Einbrechen der Tunnelwände zu verhindern. Wir steigen zu Fuß hinab in den Tunnel, weil die Radlerschlange einfach zu lang ist. Ich hasse offenen Gittertreppen. Meine diffuse Höhenangst macht sich bemerkbar. Aber hilft ja nichts.

Nun liegt er vor uns der alte Hamburger Elbtunnel. 

Fußgänger ziehen eilig vorüber, ein paar japanische Touristen machen Selfies, zwei junge Männer treffen sich hier zu einem Fotoshooting. Das Model verrenkt sich dabei sehr komisch und ich muss grinsen. Fotografen interessieren mich ja immer und ich bin abgelenkt.  Höre nur mit halbem Ohr zu, was unser netter Stadtführer erzählt und bewundere dann die tollen Fliesen an der Wand. 

Ich habe hier gerade den Hecht vor mir. Zumindest erinnert mich die Fliese daran. Es ist wunderschön zu sehen, wie lebendig dieses Abbild wirkt. Die Fliesen wurden von dem Hamburger  Künstler, Keramiker und Bildhauer Otto Gottlieb Hermann Perl geschaffen. Angeblich sollen unter den Motiven  auch Ratten sein. Ok ich muss das nächste Mal genauer auf die Suche gehen. Der Bildhauer scheint Humor gehabt zu haben, genau wie unser Stadtführer. Ständig gibt er Kommentare im schönsten Platt von sich, flirtet mit den Damen und ich habe beim Zuhören bald Bauchweh vor Lachen. Dieser Mann kennt mehr Geschichten als der beste Reiseführer. Herrlich.

Auf der anderen Seite der Elbe haben wir einen fantastischen Blick auf die Elbphilharmonie.

Ich erfahre, das die Elphi, wie der Hamburger das eigenwillige Gebäude nennt, auf dem Sockel eines alten Lagerhauses erbaut wurde. Die Wände waren bis zu 5m dick und es wurden dort früher Kakao, Tabak und Tee gelagert. Nur deswegen konnte es das neue Gebäude tragen. Heute gibt es in dem Gebäude neben den Konzertsälen -ein Hotel, Eigentumswohnungen und Restaurants. Von dieser Seite der Elbe hat man ein wunderschönen Blick

auf das Feuerwerk in Hamburg, nur ist dies wohl längst kein Geheimtipp mehr. Ich blicke hinüber zu den alten Lastern und Kähnen und versinke in Erinnerungen. Eigentlich ist doch meine alte Heimat das Havelland Hamburg näher als ich denke. Die Havel fließt in die Elbe und diese zieht durch Hamburg, um dann in der Nordsee zu münden. Sehnsucht steigt auf, nach den stillen alten Alleen und den dunklen Kiefernwäldern, nach den grünen Wiesen des Luchs. Auch wenn du fortgehst, du trägst die Bilder deiner Orte in dir und sie werden dich immer begleiten. Ist das der Grund warum ich mich so zu Hamburg hingezogen fühle? Ich weiß es nicht. In München habe ich nie dieses tiefe Gefühl von Heimat, denke ich. Stück für Stück scheint mich diese alte Stadt in ihren Bann zu ziehen. Ich lächle und tauche aus meinen Gedanken wieder auf. Wie es wohl wäre mit einem alten Schiff entlang der Elbe zu fahren?

Ich kehre zurück in die Gegenwart und lausche den Erklärungen unseres Stadtführers. Langsam wandern wir durch den Elbtunnel zurück und setzen unseren Weg zu Fuß fort. Hören die Erzählungen von der Wirtschaftskrise, vom Sterben der Reedereien, vom Schiffswerften, vom Wandel der Hafenstadt der Arbeiter in ein Vergnügungsviertel für Reiche und Schöne. Es scheint als klinge ein Hauch Wehmut in der Stimme mit.

Nach der erneuten Querung des Elbtunnels, dieses Mal sind gefühlt noch mehr Radfahrer unterwegs, setzen wir zu einer kompletten Umrundung des Hafens per Auto an. Als erstes halten wir an den tanzenden Türmen, die sich wie ein Liebespaar aneinander schmiegen und miteinander zu verschmelzen scheinen. 

Diese Türme sind auffällig. Sie verändern den Charakter des umgebenden Viertels maßgeblich. Sie entstanden nach Entwürfen der Architekten Bothe, Richter, Teherani im Jahr 2012. Die Gebäude sehen durch die Fenster optisch so aus als würden sie umkippen. Dabei sind sie wirklich ganz gerade gebaut. Mir gefallen diese Türme nicht, doch was habe ich zu entscheiden und zu richten. Hamburg scheint sein Flair als Hafenstadt am Wasser zu verlieren und mehr eine Hässlichkeit wie Frankfurt zu entwickeln. Vielleicht erwarte ich hier die roten Klinker wie in der Speicherstadt oder den Charme der Häuser des letzten Jahrtausends. Stadtplaner sollten hier vorsichtig sein. Da gefällt mir die Vorgabe der Stadt München, kein Gebäude höher als die Frauenkirche deutlich besser.

Es ist wahnsinnig über welches Fachwissen unser Stadtführer verfügt und welchen Reichtum an Geschichten. Er ist in dem Viertel um die Reeperbahn aufgewachsen und erzählt uns Geschichten aus dem Alltag. Wir kommen aus dem Staunen und Lachen nicht heraus. Architektonisch spannend sieht für mich aus der Ferne der neu entstehende Hamburger S-Bahnhof Elbbrücken aus.

Es sollen zwei gleiche Röhren vor den Elbbrücken entstehen, die U- und S-Bahn miteinander verbinden. Damit soll die Anbindung an das Umland für die Pendler erfolgen. Die Glaskonstruktion mit ca. 210 m Länge gefällt mir sehr gut. Sie hat etwas leichtes, fast schwebendes. Die Architekten von Gerkan, Marg und Partner haben scheinbar Erfahrung mit Bahnprojekten, wurde doch nach ihrem Entwurf doch der Berliner Hauptbahnhof gebaut.

Wir queren die Elbbrücken – das Einfahrtstor zu Hamburg, wenn man mit der Deutschen Bahn ankommt.

Wir stoppen an einem Aufbau, der wie der Ausguck eines Kreuzfahrtschiffes aussieht und genießen die Aussicht über den Hafen. 

Der Blick ist einfach nur beeindruckend. Die Sonne setzt zu ihrer goldenen Stunde an. Wir kommen mit dem Auto an den Frachthafen und ich bin glücklich – so tolle Fotomotive.

Ich will da unbedingt mal aus der Nähe fotografieren. Ich will mehr von Hamburg sehen,will die Stadt erkunden. Wir fahren vorbei am Altonaer Balkon, bei dem man einen guten Überblick über den Container Hafen hat. Ich kenne diese Ecke und erinnere mich, an meinen Besuch damals mit meiner besten Freundin Roswitha.

Langsam beginne ich einen ersten groben Plan in mir von der Innenstadt aufzubauen. Aber dies ist wirklich nur ein grober Plan. Wir machen eine kleine Pause und stärken uns bei Schweinske . Es ist eines von 33 Restaurants im Stadtgebiet, nur weiß ich leider nicht welches es ist. Das Essen ist günstig, doch der Salat entspricht nicht wirklich meinen Erwartungen. Auf jeden Fall ist es gemütlich eingerichtet und plötzlich treffen wir auf einen Trupp von Kollegen, die unabhängig von uns unterwegs sind. Wieder einmal zeigt sich die Welt ist ein Dorf.  Wir sitzen und erzählen und langsam klingt der Tag aus.

Der Stadtführer bringt uns netterweise noch bis zu unseren Hotels in der City Nord. Und zeigt uns auf der Rückfahrt noch einiges von der Stadt im Schnelldurchlauf. Ich kenne diese Strecke sehr genau. Bin ich Sie doch vor fast einem Monat bereits zu Fuß gelaufen.

Vorbei am Stephansplatz fahren wir  über die Schwanenwikbrücke, die ich schon bei meinem letzten Hamburgbesuch fotografiert habe. Danach kreisen wir einmal um die Binnenalster.  

Die Sonne ist untergegangen und die Nacht mit der blauen Stunde bricht an. Das Licht ist phantastisch. Es ist wie gemalt. Ich will aussteigen und fotografieren, so schön ist es. Doch ich bin so unsagbar müde nach diesem langen langen Tag und will nur noch in mein Bett. Nur eines weiß ich jetzt schon mit Sicherheit:

Ich will wiederkommen. Fotografisch habe ich mich definitiv in Hamburg verliebt. Daggi