Briefe an Jacky: Thema Selbstliebe

Hallo Jacky,

ich danke dir für das tolle und wunderschöne Telefonat heute. Nicht nur du musstest nach diesem Telefonat lächeln, sondern auch ich hatte genau diesen Gesichtsausdruck auf den Lippen.

Und du hattest mich auf eine Idee gebracht, wie ich etwas erzählen kann, was mich schon länger umtreibt und in meinem Kopf arbeitet.

Wir trafen uns in diesem kalten Februar zum ersten Mal und mir fielen deine großen traurigen Augen auf. Ich weiss auch nicht, was du an diesem Abend dachtest oder fühltest. Doch dieses Gefühl so schien es, kam mir so bekannt vor. Und meine Erinnerungen führten mich in eine Zeit zurück. Zurück an einen Punkt an dem ich dachte es geht nicht mehr weiter, an einen Punkt an dem ich nicht mehr leben wollte.

Vielleicht schaust du jetzt erschreckt oder entgeistert, doch ja ich litt damals unter einer Depression. Meine ganze Welt so schien es mir, lag in Scherben. Nichts war mehr wie vorher. Ich hatte das Gefühl: Ich bin nichts wert. Ich tauge nichts. Ich bin nicht liebenswert. Ich kann nichts. Ich mochte keine Bilder von mir.

Natürlich waren diese Gefühle objektiv gesehen nicht richtig. Doch aus meiner Sicht heraus waren sie real. Sie konnten schon deshalb nicht stimmen, da ich es bis zu diesem Zeitpunkt geschafft hatte drei Kinder zu bekommen und ein Haus in Bayern zu bauen und auch noch nebenher zu arbeiten, was schon eine ganze Menge ist. Doch auch in genau diesen Punkten lagen, die Ursachen für meine Depression. Völlige Überarbeitung, Aufarbeitung und über die eigenen Grenzen gehen und nicht auf sich selbst achten. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine Selbstliebe und keine Selbstfürsorge. Meine Gedanken waren nur auf meine Familie und den Hausbau und unsere wirtschaftliche Siuation fokussiert. Geht alles, klappt alles? Und ich machte mir Sorgen um Geld, Probleme in der Schule bei meinem Kind, um meinen Mann und vergass mich….

Dies war der Punkt in dem etwas in mir starb, in dem mein bis dahin aufgebautes Selbstbildnis wie ein Spiegel in hundert Scherben zerfiel und nichts von dem übrig lies, von dem was ich dachte –  wie ich sei. Und nun stand ich da mit diesem Scherbenhaufen meines Selbst und wusste nicht so recht weiter. Denn wie repariert man eine kaputte Seele? Ich hatte keine Ahnung. In der Schule hatte ich das nicht gelernt. Die psychatrischen Gespräche gaben vielleicht einen ersten Anhaltpunkt, doch was ich da entdeckte tat weh. Damit wollte ich mich zu diesem Zeitpunkt nicht beschäftigen. Ich fühlte mich nicht stark genug. Denn so etwas braucht Mut, Kraft und Zeit um genau hinzuschauen.

Ich kehrte die Scherben zusammen in eine Ecke und ging in den Funktionsmodus über, schaltete die Grübeleien ab und funktionierte einfach nur ohne mich wirklich mir selbst zu begegnen, mich mir selbst zu stellen. Und doch hatte sich etwas geändert. Ich war nicht mehr nur lieb und nett, sondern zeigte meine schlechte Laune, meine Emotionen ungefiltert und war zumindest ehrlich was meine Gefühle anging. Ich versteckte sie nicht mehr. Ein erster Weg zum Selbstschutz. Und ich entdeckte mein Mittel um auszudrücken, was ich fühlte und dachte  – die Fotografie.

Und dann geschah etwas am Ende des letzten Jahres mitten in der hektischen Zeit zwischen Weihnachten, Jahresabschluss, Familie.  Ich lag am Abend fix und fertig in meinem Bett und da war er wieder dieser Drehschwindel. Du liegst im Bett und hast das Gefühl deine Augäpfel drehen sich in dein Gehirn und gleichzeitig dreht es dich zur Seite weg. So ein grässliches Gefühl.

Doch genau dieses Warnzeichen hatte ich schon einmal gespürt und ich war im höhsten Masse alarmiert. Genau ein Jahr vor meiner Depression traten diese Symptome das erste Mail auf. Und ich war gewarnt. Es war höchste Zeit zu handeln. Zum Glück hatte ich zu diesem Zeitpunkt die Zusage für die Mutterkur in der Tasche. Und nicht nur dass.

Genau zu diesem Zeitpunkt stolperte ich zum ersten Mal im Internet zuerst über dieses Video: Unterbewusstsein. Schau es dir ab Minute 2:50 an und es erklärte mir auf einen Schlag so vieles, was mir bisher nicht klar war.

Das kurze Fazit daraus lautet: „Durch unsere Gedanken bestimmen wir unser Unterbewusstsein, dadurch unsere Taten und damit unsere eigenen Welt. Wir sind im gewissen Maße für unsere eigene Gestaltung der Welt zuständig. Die externen Komponenten können wir nicht beeinflussen, aber das Beste daraus machen.“ Diese Erkenntnis war mir bis zu diesem Zeitpunkt noch nie so klar geworden. Das änderte für mich so vieles.

Jemand der mir danach bei dem Aufbau von Selbstakzeptanz und auf dem Weg zur Selbstliebe geholfen hat, war Veit Lindau. Der Mann hatte eine Stimme, die mich tief im Innersten berührte und ich liess mich hinein in diese Stimme fallen, folgte ihren Gedanken und etwas in mir begann zu klingen. Hier eine Mediation von ihm: Selbstliebe.

Höre sie einfach mal, ganz offen und ehrlich und schau, ob sie etwas in dir auslöst und zum schwingen bringt. Ich finde nicht alles was er sagt oder was er publiziert sinnvoll. Muss es auch nicht. Vielleicht habe ich auch nicht den richtigen Blickwinkel dafür. Doch da ist etwas, etwas das meine Seele zu tiefst berrührt und ich habe gelernt, darauf zu hören.

Du weisst es in dem Moment einfach. Veit Lindau war in dem Moment mein Mentor und Lehrer. Dafür empfinde ich zu tiefste Dankbarkeit. Genauso kannst du dir die Meditationen von Mojo Di einmal anhören. Das waren für mich die zwei besten Quellen, die ich bei youtube finden konnte.

Ich bin mal gespannt, was die beiden bei dir auslösen. Lass es mich einfach mal wissen. Gern erzähle ich dir mehr in einem neuen Brief. Für heute soll es genug sein. Alles Liebe Daggi